Stadspaziergang duch Wadköping

1. Zinngießerhof

Willkommen in Wadköping!

Das Freilichtmuseum Wadköping entstand 1965. Es besteht hauptsächlich aus Gebäuden der Stadt Örebro. Die Gebäude wurden bei der Modernisierung der Stadt demontiert und an dieser Stelle wieder aufgebaut. Sie sind längs beider Seiten der durch Wadköping verlaufenden Straße zu sehen und veranschaulichen dabei verschiedene Bauepochen. Die eine Seite zeigt Gebäude, die nach dem Brand von 1854 entstanden sind, die andere Seite zeigt Gebäude, die typisch sind für die Zeit vor dem Brand. Diese stammen aus dem 17., 18. Und 19. Jh. Der Name ,,Wadköping" ist dem Roman ,,Markurells i Wadköping" von Hjalmar Bergman entnommen (zu dt. ,,Skandal in Wadköping", erschienen 1919). Dies war nämlich Bergmans name für die Stadt seiner Kindheit — Örebro.

Zinngiesserhof

Dieses Geboude stammt aus der Zeit um 1780. Es lag ursprünglich an der Drottninggatan 76 und war Werkstatt unde Wohnstätte des städtischen Zinngießers. Das letzte Mitglied dieser Zunft hieß Gustaf Wilhelm Lindberg. Bei seinem Tode im Jahre 1888 befand er sich seit 15 Jahren im Ruhestand. Er hatte hier nicht weniger als 58 Jahre verbracht! Das Gebäude wurde auch die Heimstatt von Malern, Schneidern und Buchbindern. Es gibt auch Anzeichen dafür, dass es als Handelshaus diente. An der langen Mauer gegenüber dem Stadsparken (Stadtpark) befinden sich noch Markierungen der Rolläden, die vor den Türen der kleinen Läden angebracht waren. Hier wurden die Handwerksprodukte über den Ladentisch verkauft. Heute befindet sich im Gebäude ein kleiner Laden, dessen Innenausstattung aus Mon in der Gemeinde Asker stammt.

2. Weberhof

Das Haus der damastweber

Der Weberhof geht bis ins 18. Jh. Zurück; er stand ursprünglich an der Drottninggatan 64. In den 20er Jahren des 19. Jh. wurde hier eine Weberei eröffnet, in der Damast höchster Qualität verarbeitet wurde. Die Weberei wurde drei Generationen lang von der Familie Hellgren und zuletzt von Gustafs Tochter Hilda Hellgren. Hilda leitete den Betrieb bis in die 20er Jahre des vorigen Jh. Die Damastgewebe der Hellgrens waren bei der wohlhabenden Kundschaft sehr begehrt. Sie schmückten sowohl Schlösser wie Gutshuser der Provinzen Närke, Värmland und Södermanland. Sogar das schwedische Königshaus gehörte zu den Kunden.

Einige andere mieter

Der Weberhof hatte zahlreiche weitere Mieter, u. A. Auch alleinstehende Frauen. Witwe Fagerhult hatte z. B. ein Modegeschäft, das dann ihre beiden Töchter übernahmen. Mutter und Tochter Grip hatten ein Zimmer und eine Küche zur Miete. Fräulein Grip arbeitete im Parfümladen der Stadt. Zu ihren Nachbarn gehörte. ,,Lilla Fia" (,,Klein Fia") Fahlström; sie war kleinwüchsig und hatte einen Buckel. ,,Lilla Fia" ernährte sich und ihre kranke Mutter als Spitzenknüpplerin für die feinen Damen der Stadt.

3. Cajsa Wargs Haus

Ein Festgebäude

Cajsa Wargs Haus ist ein Festgebäude aus dem 17. Jh. Solche Vergnügungsstätten gehörten früher zum Besitz wohlhabender Bürger. Sie wurden für Bankette und Feste benutzt, die im Obergeschoss — im Festsaal — stattfanden. Das Erdgeschoss diente als Gästezimmer und Lager. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts war Anders Warg Eigentümer des Hauses, das Teil eines um einen Hof gruppierten Gebäudekomplexes an der Kyrkogatan 4 war. Anders Warg und seine Frau Catharina hatten eine Tochter, die 1703 in Örebro geboren wurde und auf den Namen Christina getauft wurde. Im Alter von 52 Jahren veröffentlichte Christina Warg ein Kochbuch, das in Schweden und im Ausland 14 Auflagen erlebte. Es war sozusagen ein Bestseller, und ,,Cajsa" Warg war eine der berühmtesten Kochbuchautorinnen Schwedens!

Verändert und bevahrt

Cajsa Wargs Haus hat sich mit den Jahren verändert. Das Obergeschoss ist — wie Sie sehen können — breiter als das Erdgeschoss. Das Haus hatte nämlich ursprünglich eine Galerie — wie auch die Kungsstuga (das Königshaus) von nebenan. Das Festgebäude lag neben dem Wohngebäude, und auf jedem Geschoss konnte man von einem Haus ins andere gelangen. Heute sind die Geschosse durch eine Treppe verbunden. Die Wand- und Deckendekorationen des Festsaals sind erhalten geblieben. Auf ihnen wimmelt es von Vögeln, Weinranken und Kirschen, von Tulpenblüten und Phantasieblumen. Die Malerien stammen vermutlich aus den Jahren um 1710 — 1717, als Cajsa Warg nicht mehr in Örebro lebte.

4. Königshaus

Der Besuch des Herzogs

Das Königshaus ist eines der interessantesten Gebäude Schwedens und enthält Wandmalerien aus der Zeit um 1580. Über der Tür zur Sclafkammer des Königs Karl ist zu lesen: ,,Friede dejenigen, die hier eintreten, und Wohlergehen denjenigenm die hinausgehen!" — ein Grußwort auch für alle, die Wadköping besuchen! Das Königshaus erhielt seinen Namen nach Herzog Karl, der der Überlieferung zufolge das Haus 1580 und 1581 besuchte. 1604 wurde er als König Karl IX gekrönt. Das Haus war vermutlich ein Gästehaus für die Gäste des Borgmästargården (Bürgermeisterhof), das am Silltorget stand; dieser Platz heißt jetzt Järntorget. Das Königshaus ist noch in mittelalterlicher Bauweise gebaut. Das Erdgeschoss umfasst vier Lagerrume, während das Obergeschoss Gäste- und Sclafzimmer enthält. Beide Zimmer verfügen über einen offenen Kamin. Im Schlafzimmer kann man noch sehen, wo das Bett an der Wand verankert war, und auch die Möbel des Gästezimmers waren an der Wand befestigt. Die einzigartigen Wandmalereien der Zimmer — wahrscheinlich vom Hofmaler Herzog Karls gemalt — sind erhalten geblieben.

5. Schumacherhof

Schumacher und Mietsstall

Die ältesten Teile des Schumacherhofs stammen aus dem 17. Jh. Sie befanden sich ursprünglich and der Gamla gatan 17. Erster bekannter Eigentümer des Hauses war Jakob Ihre, der 1752 urkundlich als Bürger erwähnt wird. Der Name des Hauses zeigt an, dass hier Schumacher wohnten, allerdings auch Wagenmacher und Sattler, Postkutschenfahrer, Müller, Seekapitäne, Bäcker sowie eine Brandwache. Um 1850 lebten hier an die 60 Menschen! Das Haus war jedoch weithin als Mietsstall bekannt. Die Bauern der Umgebung konnten hier ihre Pferde unterstellen, während sie ihre Angelegenheiten in der Stadt besorgten. Das Grundstück beherbergte Stall, Scheune, Hühnerstall und Heuboden.

6. Handschumacherhof

Das Haus eines handwerksmeisters

Das Haus des Handschumachers wurde im 18. Jh. errichtet und stand ursprünglich an der Drottninggatan 41. Erster bekannter Eigentümer des Hauses war Kapitän Mårten Billgren; es ist jedoch nicht bekannt, ob er auch das Haus erbauten ließ. Zu Beginn des 19. Jh. war Meister Flygelholm Besitzer des Hauses, und er verlieh dem Gebäude auch seinen jetzigen Namen, da Flygelhom Leder- und Handschumacher war und sein Geschäft ca. 25 Jahre lang betrieb. In einem der Grundstücksgebäude hatte der Meister seine Werkstatt und die angehenden Gesellen lebten hier ebenfalls.

Ein weiteres meisterwerk

Als das Gebäude 1957 von der Drottninggatan hierher umgesetzt wurde, hatte es als Heim- und Arbeitsstätte zahlreicher Mieter gedient. Zum Beispiel: Schneider, Wagenmacher, Kutscher, Buchbinder, Schuhmacher, Maler, Zimmerer, Polsterer, Bäcker, Hutmacher, Kammmacher, Zündholzmacher und Bürstenmacher! Ein witerer Untermieter war Architekt Per Lundmark. Sein Sohn Carl diente später als Vorlage für eine Romangestalt — nämlich den Architekten Gundholm in ,,Farmor och Vår Herre" (zu dt. ,,Großmutter und der liebe Gott") von Hjalmar Bergman, veröffentlicht 1921, zwei Jahre nach Erscheinen seines Meisterwerks ,, Markurells i Wadköping" (zu dt. ,,Skandal in Wadköping"). Lundmark ist die einzige der Bergmanschen Gestalten, von der wir sicher sind, dass sie in einem Gebäude Wadköpings gewohnt hat.

7. Schifferhof

Schiffskapitän Ringström

Der Schifferhof stand früher an der Kyrkogårdsgatan 26. Das Gebäude stammt aus dem Anfang des 18. Jh. und ist im Laufe der Zeit erwitert worden. Schiffskapitän Ringström, dem das halbe Grundstück gehörte, gab dem Haus seinen Namen. Die andere Hälfte gehörte dem Schiffszimmermann Hedlund. Sie lebten hier zu Beginn des 19. Jh. Ringström war einer von vielen Kapitänen Örebros. Die Stadt var damals eine rege Hafenstadt. Das Schiff, dessen Kapitän Ringström war, ankerte im Hafen von Örebro, wo auch Hedlund arbeitete, nämlich auf einer der Schiffswerften.

Örebro als Hafenstadt

Der Schifferhof stammt noch aus einem Zeitalter vor dem Bau moderner Straßen und Eisenbahnen, als die Transporte noch mit Segelfahrzeugen erflgten. Der Hafen von Örebro lag etwas flussabwärts bei Skebäck. Wenn die Gewässer eisfrei waren, begannen die Segelschiffe ihre Fahrten in alle Welt. Der Hjälmare-Kanal führte zum Mälaren und kach Stockholm, von wo aus die fernen Seehäfen erreicht werden konnten. Viele Schiffe aus Örebro waren mit Stangeneisen beladen — dem Scmiedeeisen aus der Landschaft Bergslagen in Mittelschweden. Bei der Rückehr hatten die Schiffe meist Salz, Hering und Korn geladen. Die Ladung wurde von den Schifferna auf eigenen Fahrzeugen transportiert. Dies änderte sich jedoch im 19. Jh. Händler und reiche Bürger übernahmen den Frachttransport und die Schiffer wurden als Kapitäne angestellt.

8. Schmiede

In neuer Gesellschaft

Die Schmiede gehörte nicht zu den angrenzenden Grundstücken. Sie gehörte nicht einmal zu Örebro, sondern zur Gemeinde Axberg nördlich der Stadt. Früher hatten die meisten Güter und groBen Bauernhöfe eine eigene Scmiede, wo der Bauer für den Eigenbedarf Geräte aus Schmiedeeisen herstellen konnte. Falls ein Gerät zerbrach, reparierte er es selbst — auch dies gehörte zu den vielen Arbeiten in einer Naturalwirtschaft. Eine Schmiede befand sich wegen der Brandgefahr stets in einigem Abstand von den Wohnhäusern. Die Wohnhäuser des Hofes standen dicht beieinander, und wenn eines Feuer fing, konnten auch die anderen Gebäude rasch abbrennen.

9. Spielzeugscheune

Aus Tiveden

Diese ,,Spielzeugscheune" war eigentlich ein Nebengebäude eines Kleinbauernhofs in Tiveden (1. Hälfte des 19. Jh.), ca. 70 km von Örebro entfernt. Das Gebäude ist in seinem Originalzustand erhalten. Es ist aus Baumstämmen gezimmert, und innen ist der Dachfirst sichtbar. Auch Wohnhäuser wurden auf diese Weise gebaut, obwohl viele Hütten im 18. Jh. auch eine Decke besaßen. Das Dach der Spielzeugscheune ist von Dachschindeln bester Qualität bedeckt, und das Holz des Dachgerüsts stammt aus Tiveden, nämlich vom Gut Edö. Die Schindeln wurden im 19. Jh. vermutlich in einer Ziegelei von Tiveden gefertigt.

10. Glockenturm

Ein einfaches Glockengerüst

Der Glockenturm von Wadköping wurde 1999 neu errichtet, und zwar nach dem Vorbild des Glockenturms der St.-Olof-Kapelle in Östansjö. Im Mittelalter wurden in der Provinz Närke solche Glockentürme gebaut — ein einfaches Gerüst mit einem kleinen Dach zum Schutz der Glocke. Die ersten Glockentürme wurden auf geweihtem Boden errichtet; hier hatte Bischof sein Weihwasser verspritzt. Eine niedrige Mauer umgab den Bereich, in dessen Mitte die Kirche stand. Später lagen die Glockentürme auf kleinen Anhöhen, damit ihr Läuten weithin dringen konnte. Die Glocken riefen die ganze Gemeinde zum Gottesdienst.

11. Jeremias-Hütte

Ehrung eines Dichters

Die Jeremias-Hütte ist ein Andenken an ,,Jeremias von Tröstllösa" — den groBen Heimatdichter der Provinz Närke, dessen bürgerlicher Name Levi Rickson (1868-1967) war. Er soll gegen Ende des 19. Jh. in dieser Hütte eine Zeit lang gelebt haben. Das Haus befand sich einst auf einem Anwesen in Tybble in der Gemeinde Almby und wurde 1986 nach Wadköping gebracht. Es wurde vermutlich zu Beginn des 19. Jh. gebaut und war ursprünglich eine Holzscheune mit Dach- und Heuboden. Um 1850 wurde das Obergeschoss in zwei Wohnzimmer umgebaut. Hier wohnte das Gesinde des Bauernhofs. Gegen Ende des 19. Jh. kamen Holzofen und Kachelofen hinzu und ergaben eine kleine Wohnung mit Zimmer und Küche. Hier lebte also ,,Jeremias von Tröstlösa" Zu dieser Zeit war auch das Erdgeschoss in eine Wohnung umgewandelt.

12. Hamilton-Gebäude

Grässtes und Schönstes Gebäude

Das Haus wurde 1844 an der Näbbtorgsgatan 16 errichtet und war damals das größte und schönste Gebäude der Stadt. Die Architektur ist klassisch nachempfunden — mit Giebeln, Erkern und großen Fenstern. Die der Straße zugewandten Eingangstüren sind reizvoll dekoriert, und auf der Hofseite befinden sich Veranden mit Holzverzierungen. Das HamiltonGebäude ist das größte in Wadköping und ein Beispiel für die Wohnhäuser der reichsten Familien. Der Name des Hauses kommt von einem seiner Besitzer: Hugo Jakob Hamilton, der mit ,,Major" angeredet wurde. Das Gebäude wird auch ,,Strokirk-Haus" genannt, und zwar nach einem anderen Eigentümer: Knut Victor Strokirk, der sowohl Fabrikbesitzer wie Bankdirektor war.

Ein ,,starke" hinterlassenschaft

Major Hamilton lebte nur 12 Jahre in Örebro, hinterließ aber ein ,,starkes" Andenken. Er schuf nämlich den sog. Överstebrännvin ("Majorenbranntwein"). Er hatte eine eigene Würzung des Branntweins erprobt, den dann die Brennerei in Örebro abfüllte und ins Hamiltonsche Haus lieferte. Im ausgehenden 19. Jh. konnte man so etwas noch machen. Dieser Branntwein wird bis heute nach dem Rezept des Majors hergestellt. Es handelt sich dabei um einen Kümmelbranntwein von ausgeglichener Süße und mit einem scharfen Nachgeschmack. Zumindest steht dies auf dem Etikett — Skål!

13. Ullavi-Haus

So gut wie neu

Das Ullavi-Haus gehört zu den neuesten Häusern Wadköpings — falls man ein Nebengebäude von 1850 als neu bezeichnen kann. 1992 wurde das Haus aus Ullavi in Kil (Provinz Närke) hierher transportiert. Es hatte dort als Wohnhaus auf einem Bauernhof gedient. Früher war es ziemlich üblich, Häuser abzubauen und an neuer Stelle wieder aufzubauen. Da sie aus Holz waren, konnten sie leicht demontiert werden. Während der Bevälkerungsexplosion in der Mitte des 19. Jh. wurden auf diese Weise viele Holzhäuser vom Land in die Stadt gebracht. Das Ullavi-Haus wurde originalgetreu wieder aufgebaut. So sind u. a. die Fensterscheiben aus geblasenem, pfefferminzgrünem Glas. Das ullavi-Haus wurde so vorbildlich wieder aufgebaut, dass sein Besitzer für diese Arbeit eine Auszeichnung erhielt.

14. Behrnsche Haus

Einem bankdirektor würdig

Das Bernsches Haus stand ursprünglich an der Kunsgatan 9. Es wurde nach dem großen Brand von 1854 errichtet. Bauherren waren Eric und Ingeborg Rahlén. Zu dieser Zeit war Rahlén Bankdirektor der Örebro Enskilda Bank. Rahléns Laufbahn war außerordentlich erfolgreich. Er war ein geschäftstüchtiger Bauernsohn von Kumla, der sich in Örebro als geachteter Kaufmann etablierte. Rahlén handelte häufig mit Branntwein, und vielleicht traf er auf diese Weise seine künftige Frau. Ingeborgs Vater hatte nämlich den gesamten Schnapshandel in Örebro unter sich. Er war Restaurantbesitzer, Kneipenwirt und Branntweinproduzent! Erik Rahlén brachte es bis zum Bankdirektor. Er starb an einer Lungenentzündung im Alter von 50 Jahren.

Behrns Haus

Wielleicht wundern Sie sich, woher der Name ,,Behrn" kommt? Er geht auf Johan Behrn (1879-1960) zurück. Behrn war zu seiner Zeit einer der größten Bauherren von Örebro und zugleich einer der größten Grundstücksbesitzer. Das Interesse für Immobilien vererbte er auch seinem Sohn Carl-Gustav, der 1963 das Haus Kungsgatan 9 erwarb. Es wird heute das Behrnsche Haus genannt. 1990 wurde das Gebäude hierher nach Wadköping verpflanzt. Es gehört immer noch der Familie Behrn. Das Behrnsche Haus wird von der Grundstücksgesellschaft Behrn Fastigheter AB verwaltet. Deren Inhaber ist Per Johan Behrn, das Enkelkind von Johan Behrn.

15. Pfarrhaus

Ein Schwer zu bestimmendes Haus

Bis 1990 stand dieses Haus an der Nygatan 39, und gemäß der Überlieferung war es ein Pfarrhaus. Der schwedische Titel ,,Komministe" bezeichnet eigentlich den Pfarrer einer großen Gemeinde, der auch gelegentlich dem Bischof assistiert. Es ist jedoch ungewiss, ob in dem Haus jemals ein Pfarrer gelebt hat. Unsere Untersuchungen sind in dieser Hinsicht ergebnislos verlaufen; allerdings lebte hier enmal die Witwe eines Pfarrers. Gustafva Landelius war die Witwe von Per Landelius, der als Pfarrer in Glanshammar diente. Die Witwe zog 1887 ins Haus und wohnte hier ein Jahr. Das Baujahr des Hauses ist ebenfalls ungewiss. Gemäß einer Quelle wurde es nach dem Brand von 1854 errichtet. Abder es wird erst im Katasterverzeichnis von 1885 genannt. Aber zumindest eine Sache ist sicher: Das ,,Pfarrhaus" dient heute als städtische vorschulische Einrichtung.

16. Haus des Drehers

Im dienste der gerberei

Das Haus des Drehers stand ursprünglich an der Ågatan 6-8 und wird daher auch ,,Ågatebodarna" (,,Läden der Flussstraße") genannt. Erst ab jüngster Zeit wird es ,,Haus des Drehers" genannt. Es wurde 1991 rekonstruiert, und zwar durch die Firma Närkes Träsvarvare (Närkes Holzdreher) — eine Genossenschaft, die damals neu war und die Arbeitsräume benötigte. Die Einzelräume hatten seit den 60er Jahren in zerlegtem Zustand auf ihren Wiederaufbau gewartet. Sie weisen jedoch ein beträchtliches Alter auf. Sie finden sich nämlich auf einem Stadtplan von 1823 wieder. Sie umfassten damals drei Läden, von denen einer von einer Galerie umsäumt war. Die Läden wurden als Vorratsräume einer Gerberei benutzt — in der Schumacherstadt Örebro war gegerbtes Leder sehr gefragt. Örebro war Mitte des 19. Jh. die Hauptstadt des schwedischen Gerbereigewerbes. Hier gab es 11 Gerbereien am Svartån.

17. Hügelschmiede

Das viertel der schmiede

Die Hügelschmiede wurde einst als Stall und Schmiede benutzt und stammt vermutlich aus dem Anfang des 19. Jh. Früher stand sie an der Skolgatan 12 auf dem sog. Schmiedehügel, dem Viertel der Schmiede von Örebro. Die Hügelschmiede wurde im 17. Jahrhundert im Zuge einer zentralisierten schwedischen Waffenproduktion gebaut. Früher waren mit dieser Arbeit die Scmiede auf dem Lande beschäftigt, aber der Staat verlangte, dass sie in die Stadt Örebro ziehen sollten. Bereits vor dem 17. Jh. gab es natürlich Schmiede in Örebro, z. B. Peter Olofsson, der mit Kristina Larsdotter verheratet war. Sie hatten zwei Söhne, Olof und Lars, geboren 1493 bzw. 1499. Sie wurden später unter den Namen Olaus und Laurentius Petri.

Olaus unde Laurentius Petri

Im nahen Stadtpark können Sie das sog. Själamässlyckan besichtigen, ein Platz, der einst Olaus und Laurentius Petri gehörte. Ihr Vater schenkte das Stück Boden dem Kloster von Örebro, damit die Mönche eine Messe für ihn lesen sollten. Das war in der katholischen Kirche üblich, aber die Söhne widersetzten sich diesem Brauch. Beide hatten bei Martin Luther studiert. Die Studien wurden vom schwedischen König Gustav Vasa bezahlt. Olaus Petri führte dann die Reformation in Schweden ein und wurde erst Stadtpfarrer, dann Bischof und schließlich Reichskanzler von Schweden. Sein Bruder Laurentius wurde 1531 zum Erzbischof geweiht — der erste evangelisch- lutcherische Erzbischof von Schweden.

18. Theaterscheune

Vom Brand Geschwärtzt

Die Theaterscheune wird auch Kornladen genannt. Sie stand früher an der Kungsgatan 23. Das Haus wurde 1991 nach Wadköping gebracht. Beim Transport des Holzes machte man eine Entdeckung: es war an vielen Stellen vom Brand geschwärzt. Dies ist ein Anzeichen dafür, dass das Holz nach dem großen Brand von 1854 wieder verwendet wurde. Vielleicht war der Grund für den hastigen Bau, dass man einen Vorratsladen für Korn brauchte. Damit konnte man nach dem Brand die vielen Obdachlosen ernähren. Das Holz stammte wahrscheinlich von verschiedenen Gebäuden: man wollte wieder verwerten, was noch zu retten war.

19. Oberer Vallbyhof

Eine hütte der Provinz Närke

Der Obere Vallbyhof stand zuerst in Lundby, einem Stadtviertel von Örebro. So sahen viele Häuser der Provinz Närke im 19. Jh. aus — gleichgültig, ob sie auf dem Lande oder in der Stadt standen. Dieser Haustyp wurde auch "enkelstuga" genannt und bestand aus einem Kaminzimmer, einem Schlafzimmer und dem Flur. Im 19. Jh. erhielt diese ,,enkelstuga" ein Obergeschoss, das dann als Schlafzimmer diente. Die Zimmer im Erdgeschoss bestanden aus der Küche und dem Kaminzimmer — dem besten Raum des Hauses. Die ,,Närke-Hütte" zeichnet sich durch dieses Obergeschoss aus.

20. Erikahof

Eine kammerjungfer

Der Erikahof stand früher an der Gamla gatan 13 und stammt vermutlich aus dem 18. Jh. Das Holzhaus ist an den Ecken gemäß sog.

Schwalbenschwanzkonstruktion gezimmert, und der Eingang liegt an einer solchen Ecke. Die Bretterverschalung stammt aus der Mitte des 18. Jh. Das Haus ist nach einer Kammerjungfruer namens Erika benannt. Das Wort ,,Jungfer" konnte verscheiedene Bedeutungen haben. Im 18. Und 19. Jh. bezeichnete es das Dienstpersonal in vornehmen Häusern. Diese Häuser standen oft in Kleinstädten wie örebro. Falls Erika vor dem 18. Jh. gelebt hätte, würde man unter ,,Jungfer" eine unverheiratete Frau verstaden haben — eine virgo intacta.

21. Sturehof

Holzverzierungen

Der Sturehof stand frührer an der Sturegatan 7. Das Haus ist aus Holzbohlen und —planken errichtet, und die zahlreichen gemalten und geschnitzten Dekorationen sind zeittypisch. Das Haus wurde 1873 vom Zimmermann Anders Hallin gebaut, der mit seiner Familie aus Hallsberg kam. Ihr neues Heim nannten sie ,,Friedensberg". Im Jahre 1887 wurde Staatsanwalt Per Erik Andersson Besitzer des Hauses, und sein Sohn erweiterte das Haus im Jahre 1907. Der Gebäudekomplex ging später an den Fabriksbesitzer Rönnqvist über, der eine Messerschmiede im alten Hafen besaß. 1947 wurde der Sturehof von der Stadt Örebro erworben; er diente als Wohnung und Büro des Stadtgärtners. Heute ist es ein Wohnhaus im Besitz der Stadt Örebro.

Senast uppdaterad: 28 Oktober 2016
Publicerad: 22 September 2016
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